Wir reden schon lange von Transformation. Und schon lange schleichen sich Energien in die gewohnte Realität ein, die sie aufschüttelt, alt bekanntes provoziert und heimlich Veränderungen eingeleitet hat. Transformation, kollektiv und individuell, ist unabdingbar, mittlerweile greifbar und definitiv schmerzhaft. Seit Monaten spüre ich, dass sich vieles in mir tut. Strohalme der vermeintlichen Sicherheiten brechen ab. Gewohnte Böden, die vorgetretene Spuren trugen, verschwinden unter meinen Füßen. Horizonte lösen sich plötzlich auf.
So vieles ist in den letzten Jahren bei mir gegangen. Ich habe viele Interessen, Wünsche und Lebensphilosophien ergründen dürfen. Ich konnte Träume verwirklichen, Visionen entwickeln und mich selbst dabei mehr und mehr kennen lernen.
Ich wurde Yoga Lehrerin, nur um mich dann in der Pandemie an eine Lebensphilosophie festhalten zu können.
Ich wurde Web-Entwicklerin, nur um dann festzustellen das digital nomad bedeutet trotzdem 8 Stunden am Tag für jemand Anderes seine Energie und Zeit zu investieren.
Ich bin nach Berlin gezogen, nur um dann festzustellen, dass mich die Freiheit ruft.
Ich durfte eine Festanstellung als Yoga Lehrerin auskosten, nur um zu merken, dass tägliches Yoga Unterrichten irgendwann keine Freude mehr macht.
Ich hab mich aus der Matrix freigeboxt und jahrelang meine Freiheit ausgekostet, nur um dann wieder ins System zurückfinden zu wollen, um die Vorteile dessen zu nutzen.
Rückblickend frage ich mich, bin ich Visionen nachgerannt, die direkt aus unbewussten Bedürfnissen entstanden sind? Habe ich im außen einen Tanz getanzt, der eigentlich nur dazu diente mich innerlich mehr und mehr zu ent-wickeln? All diese Lebensentscheidungen machen im Außen so ganz und gar wenig Sinn; es ist nicht wirklich ein roter Faden erkennbar. Es ist vielmehr ein Mosaik, dass noch so unfertig ist, dass kein klares Bild erkennbar ist. Habe ich durch all diese Lebensentscheidungen schlussendlich nur mich selbst etwas mehr entdeckt? Ist der Grund für mein konstantes Verloren sein jener, dass ich so beschäftigt damit war im Inneren aufzuräumen, dass ich bis jetzt noch keine Form im Außen gefunden habe? Das Außen war mir bis jetzt einfach noch nie wichtig genug. Bis irgendwann das Leben an die Tür klopft und Form verlangt. Lebensnotwendige Belange, wie Geld, ein sicheren Hafen und Zukunftsperspektiven sind nicht formlos, sie verlangen definiert zu werden. Und erwachsen werden bedeutet für mich, das was ich das letzte Jahrzehnt versucht habe, abzustreifen, jetzt bewusst anzuschauen und zu definieren – nach meinem Belieben. Zu erkennen, dass die Freiheit, nach der mein Herz am lautesten und stärksten schlägt, sich erst im Inneren ganz ausbreitet, wenn man im Außem mutig genug ist Einschränkungen in die Augen zu sehen und mit einem Lächeln lernt mit ihnen zu spielen. Dass in der polaren Welt in der wir leben, Tag und Nacht beide verlangen, die Waage zu halten. Wir können uns nicht für eines entscheiden und dem anderen den Rücken zukehren. Das formlose hat mir lange gedient, bis ich auch dort merken musste, dass es nur Spaß macht, wenn ich auch eine Form habe, in die ich immer wieder zurückschlüpfen kann.
Gerade entweicht mir jeder bekannte Horizont, jede bekannte Spur. Alles fühlt sich so an als würde es sich in die Unendlichkeit auflösen. Als würde mit jedem Schritt der Boden unter mir von neuem verschwinden. Bewährte Muster sich aus Ungewissheit und Orientierungslosigkeit rauszuwinden, funktionieren nicht mehr. Das Leben schreit danach neu definiert zu werden. Ganz neu. Ist das was der Saturnreturn mit sich bringt? Ist das was wir seit Jahren als kollektive Transformation bezeichnen? Es fühlt sich an, als wär ich genau mitten drinnen. Unausweichlich gefordert mich neu zu definieren, Formen anzunehmen, Stellung zu beziehen. Und das was sich Jahre zuvor noch durch die Herzintelligenz abgleichen konnte, ist nun im Echo der Unendlichkeit verloren gegangen. Was mir die Freude als Wegweiser war, weist nun in ein schwarzes Loch der Gefühlslosigkeit. Unbewusste Motivationen, die mich früher noch gelenkt haben, sind mittlerweile durch Bewusstheit komplett mit Nichtigkeit durchleuchtet. Momentan trägt mich nur ein Grundvertrauen und die Erkenntnis, dass Phasen im Leben enden und neue beginnen, von Natur aus unausweichlich, um sich nicht komplett dem Wahnsinn des Lebendigseins hinzugeben. Erwachsene nennen das glaub ich Vertrauen.
