“Pure bedingungslose Liebe wird deine Essenz sein, doch du wirst sie vergessen und in allen Dingen unbewusst nach Ihr suchen” wispert eine Stimme aus den tiefsten Urgründen allen Seins zu mir ins Ohr. Tiefste Urgründe allen Seins..? Wait – what tt t t. Und zack fall ich Bewusstseinsebenen tiefer in dense grobe Strukturen des Seins, wo mein Bewusstsein in einem Körper rumwappert und ich nur noch eine leise Erinnerung an Liebe als Essenz habe. Mist, denk ich, wieso will ich immer zur Quelle mit meinem Bewusstsein vorstossen, wenn ich doch sowieso weiss, dass ich dorthin nur durch eigene Erkenntnis zurückkehren kann? Wär halt so schön zurückgeholt zu werden, ohne die ganze Reise von selbst zu tun. Manchmal macht die Reise ja auch mächtig Spass und dann hat man schon gar keine Lust mehr auf den Überholungsweg Richtung Licht. Blinzelnd öffne ich meine Augen und schau in ein verlockenden Sternenhimmel hoch.
Ich nehme erneut einen tiefen Atemzug und katapultiere mich weg von der mir so bekannten Bewusstseinsebene 3D Erde, oder wie die das hier auch nennen. Plötzlich befinde ich mich im Netz alter Erinnerungen, als hätte es mich aufgefangen – wie ein Spinnennetz die ahnungslose Fliege. Die Erinnerung an mein kleines Ich, noch weltenunwissend, rein und in der Gegenwart, umhüllt meine Bewusstseinswelten. Ich werde zu dem sechs jährigem Mädchen, welches ich nur von Fotos kenne und merke wie sie sich gerade in diesem magischen Moment zwischen Wachsein und Schlafzustand befindet. Unfähig, etwas anderes zu tun, lass ich mich ganz auf Ihren Zustand ein.
Wie aus meinem selbst heraus erfahre ich, wie das kleine Mädchen in den Schlaf gleitet. Ich stürze hinein in ihre Traumwelt und mir stockt der Atem. Erneut ein Hauch, ein Klang, ein Seufzer, der sich mir auftut mit den Worten “pure bedingungslose Liebe wird deine Essenz sein, doch du wirst sie vergessen und in allen Dingen unbewusst nach Ihr suchen”.
Und wie als hätte das kleine Ich es eh schon vorgehabt, begibt sie sich im Traum auf eine Suche. Was ist meine Essenz, wer bin ich und wer soll ich sein? Liebe sagt ein rot schimmernder Schatten, der aus dem Nichts vor ihr steht. Sie stockt, so einfach? denkt sie sich.
Und wie kann ich lieben?, fragt sie zurück.
>>Ich will dich, du gehörst mir, du hast mich zu lieben<< flüstert es begierig in ihr Ohr.
Doch nichts rührt sich in ihrem Inneren. Nein, das kann nicht die Essenz von mir sein, sagt sie verstört und der Schatten verschwindet.
Ein klein bisschen wehmütig streift sie durch ihre Traumlandschaft weiter. Die schattenhaften undefinierten Formen verwandeln sich langsam in bunte, farbenfrohe Ausdrücke. Am Horizont erscheint eine strahlend orangene Sonne. Sie saugt ihr Aufmerksamkeit ein. Ich kenne den Grund deiner Suche scheint sie zu sagen.
>>Ich spüre dich, deswegen lieb ich dich, du lässt mich spüren<<
Fasziniert bleibt das kleine Ich stehen. Wow, das fühlt sich von viel mehr nach meiner Essenz an, denkt sie.
Aber kannst du nicht mehr als mich spüren lassen? fragt es.
Reicht das nicht? antwortet die Sonne.
Es geht doch nicht nur um ein Gefühl, das wird mich niemals andauernd befriedigen schreit das Mädchen und schüttelt verständnislos den Kopf.
Nein, es ist nicht nur ein Gefühl, wispert der Wind und lässt das kleine Ich weiter gleiten Richtung Sonne, in die Sonne hinein, hinein in das helle leuchtende Licht, das sich in Millionen kleine gelbe Lichter teilt und diese Lichtkugeln zu kleinen gelben Blumen auf einer Wiese voller bunter Blumen transformiert.
>>Ich bin, du bist, also sind wir, wir lieben<< sagen alle gelben Blümchen im Chor. Selbstausdruck und ego Bewusstsein, die aufeinander prallen.
Durch Ich-Definition meine Essenz finden? fragt mein kleines Ich überrascht.
Ja genau, scheinen die Blümchen zu antworten, und dabei sich selbst und den Ausdruck Anderer lieben lernen.
Aber das ist doch noch sehr in Separation gedacht und so gar nicht die Erinnerung an die Essenz allen Seins denkst sich das kleine Mädchen nur und legt sich erschöpft in Mitten all dieser Blumen.
Und während sie da so liegt auf der grünen Wiese, steigt ein Gefühl mächtiger als jede Erinnerung in ihrem Herzen auf. Ein warmes Gefühl, das erst ihre Brust erfüllt und dann ihren ganzen Körper zum prickeln bringt. Gedanken des Friedens und der Freude steigen auf und sie fängt an zu lächeln. Ja, dies hallt wie eine Erinnerung an einem Urzustand in ihrem ganzen Sein nach. Sie hat ein starkes Verlangen, diese Erfahrung zu teilen und erinnert sich an die Stimme die sie auf die Suche geschickt hat.
>>Ich liebe dich, ich kenn dich nicht, aber das bin ich<< sagt das kleine Ich laut und springt auf vor Freude. Yuheiii sagt es sich, genau das ist meine wahre Essenz. Doch die Stimme von zu vor antwortet nicht.
Noch scheint die Suche nicht vorbei zu sein, denkt es sich und just in diesem Moment verschwindet der Boden unter ihren Füssen und sie fällt in ein Vacuum umgeben von hellblau strahlendem Licht. Auf einmal macht alles Sinn. Dass sie sucht, wer sucht und warum sie sucht. Dieses blaue Licht scheint sie komplett mit Sinnhaftigkeit und Antworten auszufüllen. “Pure bedingungslose Liebe wird deine Essenz sein, doch du wirst sie vergessen und in allen Dingen unbewusst nach Ihr suchen” scheint es hier von allen Seiten zu vibrieren und gleichzeitig scheinen sich Realitätsebenen zusammenzufügen und alles Sinn zu machen. Plötzlich taucht ein Spiegel vor Ihr auf. Mein kleines Ich schaut in ihr Spiegelbild und sagt zu sich selbst.
>>Ich kenne dich, also lieb ich dich, also sind wir<<
Diese Selbsterkenntnis erfüllt schon so ziemlich ihr ganzes Sein. Wie schön, denkt sie sich, es fühlt sich wie Ankommen an.
Und während sie so ihr Spiegelbild betrachtet, wird ihr bewusst, dass auch die Selbsterkenntnis noch Separation ist. Dass selbst das erkennen des Ichs eine Art von Bewusstsein ist, das nicht allumfassend sein kann, weil es immer noch den Beobachter und das zu Beobachtende gibt. Das kleine Mädchen lehnt sich nach vorne, bis ihre Stirn den Spiegel berührt. Sie schaut sich selbst in die Augen, die sagen
>>Ich sehe dich, ach ich liebe dich, lass uns eins werden<<
Und plötzlich verschmilzt sie und das Spiegelbild und das hellblaue Vacuum wird dunkler und dunkler bis es sich in sich selbst auflöst und dann… ist da plötzlich nichts.
Nur noch ein Summen. Ein Urquellenklang an reinem Summen, ein Ursummen, eine Grundvibration. Aum. Das sich manchmal anhört wie >>Ich bin du, du bist ich, wir sind eins und deswegen Liebe<<
Und dann wach ich auf und da ist wieder dieser endlos verlockende Sternenhimmel.
